85 Jahre FRANK – die Geschichte eines Familienunternehmens
Vermutlich verschwendeten damals die beiden Gründer, Hermann Frank und sein Bruder Paul A. R. Frank, nicht viele Gedanken daran, ob ihr Unternehmen im Jahr 2010 noch bestehen würde, denn sie hatten sehr viel Arbeit auf dem Tisch.
Sehen Sie hier die Geschichte von FRANK in Bildern.
In den 1920er Jahren boomte der Wohnungsbau in der Hansestadt unter dem Oberbaudirektor Fritz Schumacher. Die beiden Brüder sahen die Chance, in der damals schon wachsenden Stadt mit dem großen Bedarf an Mietwohnungen, einen Beitrag zum Wohnungsbau zu leisten.
Natürlich existieren heute noch immer Unternehmen, die es bereits seit Jahrzehnten gibt und die erfolgreich sind. Nur wenige aber sind noch in der Hand der Gründerfamilie. Es gelingt offenbar sehr selten, dass sich über so viele Generationen hinweg ein Nachkomme findet, der die Geschäfte mit der gleichen Leidenschaft wie sein Vorgänger führt. Bei FRANK aber ist genau dieser Fall gleich mehrfach eingetreten.
Mit Herbert und Gertrud, den Kindern von Paul A. R. Frank, sowie Fritz Hermann, einem der Söhne von Hermann Frank, waren die Voraussetzungen, einen talentierten Nachfolger für die Leitung des Unternehmens zu finden, gegeben. Insbesondere Fritz Hermann Frank übernahm bereits unter der Leitung seines Vater und seines Onkels große Verantwortung im Familienunternehmen. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Finanzierung von Neubau- vorhaben, was insbesondere nach der ersten Weltwirtschaftskrise 1929 eine große Herausforderung war. In den Kriegsjahren war er es, der sich in erster Linie um die Rettung und den Erhalt der teilweise vollkommen zerstörten Immobilien des Unternehmens kümmerte.
Von Frank zu Schauenburg
Gertrud, die Tochter von Paul A. R. Frank, heiratete 1939 den Marineoffizier Rolf Schauenburg. 1943 geriet dieser in kanadische Kriegsgefangenschaft. Tagsüber musste er in dem Marine-Offizierslager Holzfällen, abends und am Wochenende wurden von Reserveoffizieren Vorlesungen gehalten. Rolf Schauenburg „belegte“ Statik und Architektur. 1946 wurde er von der kanadischen in die englische Kriegsgefangenschaft überstellt. Dort wurden die Gefangenen beim Wiederaufbau eingesetzt; Rolf Schauenburg mauerte bis 1949. So bereitete er sich auf den kommenden zivilen Lebensabschnitt vor. Herbert Frank, der Bruder Gertruds, war Architekt wie sein Vater. Im Krieg geriet er ebenfalls in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr aus Russland trat er zunächst als Bauleiter in das Architekturbüro von Paul A. R. Frank ein. Im Sommer 1949 trat Rolf Schauenburg ebenfalls als Bauleiter in die Siedlungsbaugesellschaft Hermann und Paul Frank ein und wirkte beim Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Häuser mit.
Wiederaufbau und Wirtschaftswunder
Fritz Hermann und Rolf Schauenburg sollten FRANK in der Nachkriegszeit und zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders entscheidend prägen. Herbert leitete das Architekturbüro, und sein Cousin Fritz Hermann und Rolf Schauenburg übernahmen in Partnerschaft die kaufmännische Leitung der FRANK Siedlungsbau. Dabei rückten sie zunächst nicht von der Strategie ihrer Vorgänger ab, qualitativ guten Wohnraum kostengünstig zu schaffen. Zunehmend standen bei den Bauvorhaben Geschwindigkeit und Kostenreduzierung im Vordergrund, um nach den Zerstörungen und der aus dem Osten in die Bundesrepublik drängenden Bevölkerung ausreichenden Wohnraum anzubieten.
Der gestalterische Anspruch verlor in den Fünfzigerjahren leider an Bedeutung. Wo FRANK in den Zwanzigerjahren noch aufgrund von Typisierung Kostenvorteile erreichte, setzte das Unternehmen ab Anfang der Sechzigerjahre auf Montagebau. Das Architekturbüro Paul A. R. Frank vergab sogar Lizenzen für Bautypen, die dann in ganz Schleswig-Holstein und Niedersachsen im Wohnungsbau verwirklicht wurden. Die zweite Generation der Familie gründete außerdem die FRANK Heimbau-Gesellschaften, die in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und später auch in Hessen viele tausende Wohneinheiten bauten.
Schwierige Zeiten für das Unternehmen
Mit dem Tod von Fritz Hermann Frank im Jahr 1968 schied kurz darauf der Familienstamm des Gründers Hermann Frank aus dem Unternehmen aus. Eine schwierige Situation für die Firmengruppe, da die Familie des verstorbenen Gesellschafters ausbezahlt werden musste. Die Siebzigerjahre brachten weitere Schwierigkeiten für das Unternehmen. Im hessischen Bremthal im Taunus hatte FRANK mit dem Bau von 500 Eigentumswohnungen sowie 100 Reiheneigenheimen begonnen. Der Immobilienmarkt in der Metropolregion Frankfurt neigte sich jedoch mit dem Baustart gerade dem Ende zu. Man hatte schlicht am Bedarf vorbeigeplant und musste jetzt Verluste einfahren. Erst 20 Jahre später sollte das Vorhaben vollständig abgeschlossen werden, dann aber auch wieder mit Gewinn.
1975 trat Rolf Schauenburgs ältester Sohn, Rechtsanwalt Hans-Jürgen Schauenburg, nach mehrjähriger Tätigkeit in befreundeten Unternehmen, vor allem aber in einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei, in das Unternehmen ein. Einige Jahre später folgte ihm der jüngere Bruder, Diplom-Betriebswirt Jan Schauenburg, der sich vorrangig um den Wohnungsbestand kümmerte und sich dort als geschickter Stratege erwies, während Hans-Jürgen Schauenburg, wie es damals noch hieß, für die Neubauplanung und -durchführung verantwortlich zeichnete. FRANK hatte sich zu einem wichtigen Player in den jeweiligen Regionen entwickelt. Der damalige Seniorchef Rolf Schauenburg konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt schon zunehmend auf die Verbandsarbeit. Aufgrund seines hervorragenden Netzwerks in Politik und Wirtschaft war er ein idealer Vorsitzender für den Bundesverband Freier Wohnungsunternehmen, BFW.
Es folgten weitere Tiefschläge. Ein Beteiligungsunternehmen von FRANK, die Hausbau Norddeutsche Wohn- und Geschäftshaus GmbH, geriet überraschend in die Insolvenz. Die dortige Geschäftsführung hatte über einen längeren Zeitraum die eigene wirtschaftlich prekäre Lage verschleiert. Rolf Schauenburg war sogar persönlich engagiert. 1988 erkrankte Jan Schauenburg schwer und verstarb mit 38 Jahren. Der Senior, Rolf Schauenburg, erholte sich weder von der Trauer um seinen Sohn noch von den tiefen Enttäuschungen und den notwendigen Anstrengungen, die aus der Insolvenz der Hausbau und dem Verhalten ihres Geschäftsführers resultierten.
Eine moderne Holdingstruktur für FRANK
Aufgrund der wirtschaftlichen Vorgänge in der Firmengruppe Ende der Achtzigerjahre und des Verlusts von Bruder und Vater strukturierte Hans-Jürgen Schauenburg das Unternehmen von 1990 bis 1992 vollkommen um. In erster Linie entstanden daraus die FRANK Heimbau-Gesellschaften in den Standorten Hamburg, Kiel und Hofheim am Taunus, die die Neubauvorhaben steuerten. Die Immobilienverwaltung gliederte er nach eigenem und fremdem Immobilienvermögen und überführte die Verwaltung von Wohnungseigentum in eine separate Gesellschaft. Etwas später entstand dann die FRANK Beteiligungsgesellschaft mbH, die bis heute die einzelnen Aktivitäten der Firmengruppe strategisch lenkt. Heute gehören zur FRANK-Gruppe neben der Vermögensverwaltung und der daran angegliederten FRANK Beteiligungsgesellschaft mbH Unternehmen für die Grundstücksentwicklung, Bauträger- und Baubetreuungsunternehmen, Miet- und Wohnungseigentumsverwaltungsunternehmen und diverse gewerbliche Firmen. Alle arbeiten an dem gemeinsamen Ziel, guten und günstigen Wohnraum zu erstellen und die Bestände werterhaltend zur Zufriedenheit der Kunden zu verwalten.
Senior und Junior - ein erprobtes Führungstandem
Zu Beginn des Jahres 2002 trat mit Marc Schauenburg die vierte Generation in das Unternehmen ein. Gemeinsam mit seinem Vater Hans-Jürgen Schauenburg leitet er seitdem als geschäftsführender Gesellschafter die Geschicke der gesamten Firmengruppe. Der diplomierte Wirtschaftsjurist hatte zuvor bereits in einem anderen bekannten Hamburger Unternehmen das Immobilien-Handwerk von der Pike auf gelernt. Und genau wie seine Vorgänger ist er mit dem Unternehmen der Familie seit frühester Jugend vertraut.
Die letzten – oder die ersten – 85 Jahre in der Unternehmensgeschichte haben gezeigt, dass ein gelungener Generationswechsel nicht selbstverständlich ist. Jede Unternehmensspitze musste durch andere, oft unruhige Gewässer steuern, sich in einem anderen wirtschaftlichen Umfeld entwickeln. 2010 präsentiert sich die FRANK-Gruppe zu ihrem 85. Geburtstag in sehr guter Form. So soll es auch in Zukunft bleiben, und vielleicht wird dafür irgendwann die fünfte Generation verantwortlich sein.
Themen in der Übersicht
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