Eine Strategie für erfolgreiche Projektentwicklungen

Im Saalbau des Frankfurter Stadtteils Gallus brütete vergangenen September eine Gruppe aus unabhängigen Architekten, Frankfurter Stadtplanern, Vertretern des Stadtteils sowie des Bauherrn FRANK über verschiedenen Plänen und Entwürfen.

Es handelte sich um die Jury eines Architekturwettbewerbes, die die eingereichten Beiträge von sechs Architekturbüros bewertete. Nach einem Tag intensiver Diskussionen trafen die Fachleute eine Entscheidung: Nicht ein Büro realisiert das große Mehrgenerationenquartier an der Frankenallee, sondern drei verschiedene Büros werden mit unterschiedlichen Bauabschnitten beauftragt, um eine maximale Qualität und Gestaltungsvielfalt zu schaffen.

Gutachterverfahren müssen nicht teuer und langwierig sein

Den Entwicklungsprozess eines Neubauvorhabens über einen  anzuschieben ist bei FRANK kein ungewöhnlicher Vorgang: Baukultur ist ein Thema der Stadtentwicklung mit zunehmender Bedeutung, insbesondere bei der sensiblen Ergänzung von innerstädtischen Quartieren. Ein wichtiges Element der Sicherung von bestmöglicher städtebaulicher und architektonischer Qualität sind dabei Wettbewerbe und Gutachterverfahren. Sie ermöglichen in überschaubaren Zeiträumen und mit begrenztem Mitteleinsatz durch qualifizierte Planungsbüros eine große Vielfalt alternativer Lösungen in funktionaler und gestalterischer Hinsicht. Nicht nur Architekten und ihre Kammern, auch Kommunen favorisieren dieses Instrument häufig. Bauträger hingegen stehen Wettbewerben und Gutachterverfahren oftmals kritisch gegenüber wegen der vermeintlich hohen Kosten und langen Zeiträume, die derartige Verfahren verschlingen.

FRANK sieht das schon seit vielen Jahren anders. Das Unternehmen bietet Gemeinden und Städten aktiv eine Entscheidungsfindung über ein gemeinsames Gutachterverfahren an. Am Standort Kiel hatte FRANK bei verschiedenen Bauvorhaben immer wieder Architekturwettbewerbe durchgeführt, zum Beispiel im Brauereiviertel oder beim Projekt in der Moltkestrasse. Auch in der hessischen Metropolregion hat FRANK immer wieder Architektenworkshops und –Wettbewerbe durchgeführt, zum Beispiel im Projekt an der Oskar-von-Miller-Straße und auf dem Mühlberg in Sachsenhausen.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Neben der planerischen Optimierung durch alternative Lösungen und der gestalterischen Qualitätssicherung steht auch die Konsensbildung mit Politik und Verwaltung, mit der Bürgerschaft und den Betroffenen im Fokus. Gerade der letzte Punkt gewinnt durch die zunehmende Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit und die Vernetzung der Menschen über soziale Medien im Internet an großem Gewicht. Wettbewerbe als offene und transparente Verfahren mit nachvollziehbaren Entscheidungsprozessen sind hier ein wichtiges Element zur Vertrauensbildung und für die Zustimmung zu einem Projekt.

Gleichwohl sind Geld und Zeit auch für FRANK wichtige Parameter bei der Entwicklung eines Bauvorhabens. Ziel muss es neben der Sicherung der Qualität immer sein, dass das Verfahren mit vertretbarem Zeit- und Mittelaufwand durchgeführt wird. Das Beispiel am Projekt Frankenallee zeigt, das es gelingen kann, trotz hoher inhaltlicher Ansprüche.

Die Organisation eines Wettbewerbsverfahrens bedarf besonderer Kompetenzen

Das Projekt im zentral gelegenen Frankfurter Gallusviertel beinhaltet die Umwandlung einer bislang gewerblich genutzten Immobilie in ein modernes Mehrgenerationenquartier mit etwa 240 Einheiten durch die FRANK Heimbau Main/Taunus. Die Planungsverwaltung hatte sich mit FRANK auf ein Gutachterverfahren geeinigt, um in einer städtebaulich sensiblen Situation zu einer überzeugenden Lösung zu kommen. Mit der Konzeption und Umsetzung des Verfahrens wurde die GEV AG, Gesellschaft für Entwicklung  und Vermarktung mit Sitz in Hamburg beauftragt. Das Unternehmen ist wie die FRANK Heimbau Main/Taunus Teil der FRANK-Gruppe und arbeitet häufig für externe Auftraggeber. „Wir beschäftigen Mitarbeiter, die sowohl Erfahrung in der Stadtentwicklung und Lokalpolitik als auch in der Beratung von Bauträgern und Investoren mitbringen. So bieten wir neben der Flächenentwicklung und Durchführung von städtebaulichen Entwicklungsprojekten umfangreiche Dienstleistungen für Kommunen und Investoren an“, erklärt der Vorstand der GEV AG, Ronald Klein-Knott. Damit verfügt die GEV über die entsprechenden Kompetenzen für die Gestaltung und Durchführung von Wettbewerbs- und Gutachterverfahren. 

Ein erfolgreiches Gutachterverfahren ist die ideale Basis für ein Projekt

Eine primäre Anforderung der Stadt Frankfurt war es, einen städtischen Nutzungsmix von Pendlerwohnungen, Seniorenwohnungen mit Seniorentreff, Miet- und Eigentumswohnungen, Townhouses und Dienstleistungsnutzungen architektonisch hochwertig zu realisieren. Daneben sollten aus den Beiträgen der teilnehmenden Architekturbüros mehrere Lösungen kombiniert werden, um der kleinteiligen urbanen Situation des Gallus städtebaulich gerecht zu werden.

Um diese Anforderungen ziel- und zeitgerecht zu einem Ergebnis  zu bringen, schlug die GEV ein „kooperatives Verfahren“ vor, ein Verfahren bei dem sich Teilnehmer, Jury und Auslober in Zwischenterminen offen und konstruktiv über die erreichten Arbeitsstände austauschen können. Der Vorteil ist dabei, dass die Wünsche von Auslober und der Stadt nicht nur in der schriftlichen Aufgabenstellung vorliegen, sondern mit den bearbeitenden Büros im Dialog anhand der vorliegenden Konzepte präzisiert werden können. Ein zusätzlich angestrebter positiver Effekt war, dass durch diese intensive Arbeitsform die Dauer des eigentlichen Gutachterverfahrens vom ersten gemeinsamen Termin zur Erläuterung der Aufgabe bis zum Jury-Termin auf sieben Wochen begrenzt werden konnte. „Wir haben stets positive Erfahrungen mit Architekturwettbewerben gemacht. Entscheidend ist dabei, dass am Ende ein gemeinsam getroffener Beschluss steht, der den weiteren Entwicklungsprozess erheblich erleichtert“, so Ronald Klein-Knott.

Auch inhaltlich war das Verfahren ein Erfolg. Von den sechs zusammen mit der Stadtplanung Frankfurt für die Teilnahme am Verfahren ausgesuchten Architekturbüros wählte die Jury unter der Leitung ihres Vorsitzenden, des Architekten Dipl. Ing. Manfred Westenberger die drei Entwürfe der Büros Planqadrat aus Darmstadt, Landes & Partner sowie Turkali Architekten, beide aus Frankfurt, für die Realisierung aus. Schon sechs Wochen nach der Jurysitzung konnten auf Basis des Wettbewerbsergebnisses die ersten Anträge zur Realisierung gestellt werden. Das eingeschlagene Tempo konnte so wie geplant beibehalten und der Baustart für das Projekt Anfang April 2011 mit dem Abbruch des Bestandes gegeben werden.

Nicht nur die Zufriedenheit von Stadtplanung und Auslober, auch die positive Resonanz der Öffentlichkeit nach der Ausstellung der Arbeiten im Stadtteil bestätigt den Erfolg des eingeschlagenen Weges. Gleichzeitig war das Verfahren eine gute und glaubwürdige Werbung für das Projekt. Der nächste  von FRANK wird deshalb sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Ronald Klein-Knott und Michael Henninger im Frühjahr 2011


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